Landesverein Badische Heimat e.V.

Dossier: Kunstausstellungen im Land und in der Nachbarschaft

Art is Arp

Zeichnungen, Reliefs, Collagen, Plastiken, Gedichte

Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst/ Museé de l’Art Moderne et Contemporaine Strasbourg, 17.10.2008 - 15.2.2009

LES YEUX OUVERTS ET PER M ES (MIT OFFENEN UND GESCHLOSSENEN AUGEN)

In den Dada-Jahren und immer wieder auch in späteren Schaffensperioden negiert Arp den Künstler als Schöpfer und lässt seine Werke der eigenen Kontrolle entgleiten. Seine Gestaltungsprinzipien -Automatismus und Zufall - sind die Themen der beiden Unterabschnitte dieses Teils der Ausstellung. Bei ersterem folgt Arp seinen Gefühlen und lässt einem spontanen Zeichenstil freien Lauf, der in seinen Tuschezeichnungen um 1915 quasi automatische Züge trägt. Dabei geht er von Naturobjekten aus: abgebrochene Zweige, Wurzeln, Gras, Steine, von denen nur noch ein „tressaillement" (Zucken) zu spüren ist. Mit diesem Begriff beschrieb Arp Kandinskys Werke, die seine Zeichnungen zweifelsohne beeinflussten. Arp selbst sah eine Verbindung zwischen diesen Zeichnungen und seinen ersten farbigen Holzreliefs, deren so genannte „terrestrische" Formen als Verdichtung der Natur zu verstehen sind. In späteren Jahren befasst sich Arp erneut mit den Möglichkeiten des Automatismus, vor allem zwischen 1930 und 1940, als seine Linien mal kalligrafisch, mal roh wirken, insbesondere in seinen Ölarbeiten und Gouachen, wie der seiner Frau Sophie Taeuber-Arp gewidmeten Serie. (Sophie kam 1943 bei einem Unfall ums Leben.) Zum anderen bricht Arp mit den bis dahin unumstößlichen Gesetzen der Komposition und ersetzt sie durch die „Gesetze des Zufalls". Anstelle des Künstlers sollen sich die Papierstücke seiner Collagen nun nach dem Zufallsprinzip ordnen. Der Ursprung dieser „Gesetze des Zufalls" ist dabei in der Natur zu suchen, genauer im Ordnungsprinzip der „Konstellation": Die Natur arbeitet mit einer begrenzten Anzahl sich ähnelnder Elemente - den Sternen am Himmel, den Blumen auf einer Wiese oder den Bäumen im Wald - und fügt sie zu immer wieder neuen Konstellationen. Arp war der Auffassung, dass diese scheinbar zufällig angeordneten Elemente durch vom Menschen nicht wahrnehmbare Gesetze in Beziehung zueinander treten. Dies erklärt den paradoxen Begriff „Gesetze des Zufalls". Genau diese Gesetze steuern die Verteilung der viereckigen Papierfetzen in den Collagen aus den Jahren 1916 und 1917, aber auch die Anordnung der ovalen, oft als „kosmisch" bezeichneten Formen in den zwischen 1930 und 1940 entstandenen Reliefs.
Automatismus und Zufall veranschaulichen das Konzept eines „mit geschlossenen Augen" geschaffenen Werks sehr gut. Doch auch der zweite Teil des Titels hat seine Bedeutung. Denn entgegen den Postulaten Arps oder mancher Zeitzeugen entstanden die Werke des Künstlers auch „mit offenen Augen". Es liegt auf der Hand, dass sich Arp mit dem Zufall arrangierte. Wie sonst könnten sich die Elemente seiner Collagen nach dem immer gleichen Kompositionsgrundsatz zu Gittern fügen? Auch kann von einer gewissen Steuerung des Automatismus ausgegangen werden. Warum sonst sollte die Tusche auf einer vorbereitenden Skizze erscheinen?


Texte: MAMCS
Bild oben: Bruchsal, Schlossgebäude
Badische Heimat aktuell
 
Aktuelles aus dem Verein
Nachrichten aus dem Land - tagesaktuell veröffentlicht bei Landeskunde online
mehr zur Ausstellung
 


Badische Heimat Dossiers
 
Kunstausstellungen


 
weitere Dossiers:
 
Mit freundlicher Unterstützung durch
 
 
   

Startseite | Kontakt | Impressum | © Badische Heimat 2008