Landesverein Badische Heimat e.V.

Dossier Bodensee 2009

Napoleonmuseum Arenenberg: Die Königin lässt bitten

Die „vollendete Hortense", so nannte sie der englische Dichter Lord Byron. Für Hortense de Beauharnais, Stieftochter und Schwägerin Napoleons I., standen einst die Paläste Europas offen. Doch nach Napoleons Abdankung musste sie Frankreich verlassen. Ihren Exilsitz, das Thurgauer Schloss Arenenberg am Schweizer Bodensee, gestaltete sie zu einem „geliebten Kleinod", für das sie die besten Architekten und Gärtner ihrer Zeit engagierte. Gekrönte Häupter gingen auf Arenenberg ebenso ein und aus wie die politische, künstlerische und intellektuelle Elite des 19. Jahrhunderts. Heute beherbergt das Anwesen das „Napoleonmuseum Thurgau Schloss und Park Arenenberg", ausgestattet mit den Originalmöbeln der Königin und zahlreichen Erinnerungen an die Kaiserzeit.

Königin Hortense de Beauharnais (1783-1837) gehörte zu den gebildetsten und umstrittensten Frauen ihrer Zeit. Sie war die Tochter aus erster Ehe der Kaiserin Joséphine. Napoleon I., der zweite Ehemann ihrer Mutter, adoptierte sie und verheiratete sie mit seinem launischen, kränkelnden Bruder Louis. Die Kinder des Paares sollten nach Napoleons Willen dereinst den Thron Frankreichs besteigen. Drei Söhne gebar Hortense in ihrer unglücklichen Ehe, und Napoleons Wunsch erfüllte sich: Ihr jüngster Sohn Louis Napoleon ging als Kaiser Napoleon III. in die Geschichte ein.


Gérard, François Pascal Simon: Porträt der Königin Hortense, ca. 1800 - 1810. The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. Wikimedia Commons

Nach der Niederlage Napoleons bei Waterloo 1815 wurde Hortense und die gesamte Familie Bonaparte aus Frankreich vertrieben. Am Ende einer abenteuerlichen Flucht durch halb Europa fand die Königin zusammen mit ihrem jüngsten Sohn Asyl am Bodensee. In ihren Memoiren schreibt sie: „Die Regierung des [Schweizer] Kantons Thurgau erlaubte mir, dasselbe [Arenenberg] zu kaufen. Sie hat dadurch das Verdienst erworben, mich zur Ruhe kommen zu lassen, denn ich war auf Betreiben Frankreichs hin von allen Regierungen ausgewiesen worden".

Die ganze Welt zu Gast bei Hortense
Die Bevölkerung liebte ihre „Frau Herzogin", wie sie sich volksnah nennen liess. Hortense unterstützte Arme und Kriegsflüchtlinge, Schulen und kirchliche Einrichtungen. Dichter, Politiker, Wirtschaftsgrössen und Künstler aus aller Welt machten der Königin ihre Aufwartung: René de Chateaubriand, Alexandre Dumas, Franz Liszt, Henri Dufour, Ignaz Heinrich von Wessenberg, Alexander von Humboldt, um nur wenige zu nennen - das Gästebuch Arenenbergs liest sich wie ein „Who is who" des 19. Jahrhunderts. Sie alle schwärmten von der charmanten Gastgeberin, dem geschmackvoll eingerichteten Haus, dem weitläufigen Park, den Hortense selbst pflegte, und vom legendären Sonnenuntergang über dem Untersee, dem westlichen Teil des Bodensees, der auch heute noch die Besucher verzaubert.


Isabey Jean-Baptiste (1767-1855): Die Königin Hortense (1783-1837). Schloss Malmaison. Bild: Wikimedia Commons

Willkommen im Schloss
Wie zu Hortenses Zeiten ist es auch heute ein offenes, gastfreundliches Haus. „Die Besucher sollen sich wie Gäste des Hauses fühlen", erklärt Dominik Gügel, der gemeinsam mit Christina Egli das Napoleonmuseum leitet. Und tatsächlich strahlen die Räume eine wohnliche Atmosphäre aus, ganz als würden sie noch hier leben: die Dame des Hauses, ihr quirliger Sohn Louis Napoleon, der spätere Kaiser Napoleon III., und der kleine Hofstaat. Nicht nur in der Bibliothek laden faksimilierte Skizzen- und Gästebücher zum Schmökern ein; die ca. 900 originalen Bände aus der kaiserlichen Sammlung stehen im Mahagonischrank, den die Königin auf ihrer Flucht mitführen liess. Im Speisesalon wird heutzutage zwar kein „petit déjeuner" mehr serviert, doch der mit Porzellanservice und Kristallkaraffen gedeckte Tisch wirkt mehr als einladend. Kinder verwandeln sich in kleine Prinzen und Prinzessinnen, spielen mit Bauklötzen und „historischem" Spielzeug, während sich die grösseren Kinder und Eltern an Bildschirmen über die Historie des Schlosses und seiner Bewohner informieren können.


Hortense de Beauharnais, Mutter des Kaisers Napoleon III., pflegte auf dem Arenenberg ein anspruchsvolles Gesellschaftsleben. In ihren exquisit eingerichteten Salons wie hier im Zeltsalon empfing sie illustre Geistesgrössen ihrer Zeit. Bild: Napoleonmuseum

Der „grosse Korse" betrat übrigens den Arenenberg nie. Hortense aber pflegte das Andenken ihres verehrten Adoptivvaters, und so zeugen zahlreiche Memorabilien, beispielsweise seine Totenmaske und berühmte Gemälde, vom Leben des ersten Kaisers der Franzosen.

In den ersten Stock, die Beletage, durften damals nur wenige Auserwählte hinaufsteigen. Heute stehen die Privatgemächer der königlichen Familie jedem offen. Das gerade erst in seinen Originalfarben restaurierte Schlaf- und Sterbezimmer der Königin allein ist schon ein Besuch auf Arenenberg wert. Zitronengelbe Damasttapisserie bespannt die Wände, Rokokoornamente und Empiremöbel zieren den Raum, der Blick durch die Fenster gleitet über den Untersee, die Insel Reichenau und Konstanz. Hier starb die Königin 1837 in den Armen ihres Sohnes Louis Napoleon.

Ein wahres Arkadien: Der Landschaftspark
„ Hortense befasste sich gern mit der Natur und fand ein wahres Vergnügen darin, den sie besuchenden Fremden die Standorte zu zeigen, von welchen aus man die schönste Aussicht genoss", schrieb ein unbekannter Zeitgenosse. Auch heute begleitet der gute Geist der botanikvernarrten Hausherrin die Gäste durch das Wegenetz des ca. zwölf Hektar grossen Geländes.


Im wiederhergestellten Landschaftsgarten unterhalb von Schloss Arenenberg zeigen sich original erhaltene Grotten, Pavillons, eine Eremitage und Wasserspiele in neuem Glanz. Auf verwunschenen Wegen bieten Sichtachsen überraschende Ausblicke über den See. Bild: Napoleonmuseum

Nach den Idealen Jean-Jacques Rousseaus liess sich Hortense von den besten Gartenarchitekten Europas - darunter kein Geringerer als Fürst Hermann von Pückler-Muskau - ihren Traum verwirklichen. Sie schuf damit einen der bedeutendsten Landschaftsparks ihrer Zeit. Wasserspiele, Eremitage, Grotten, eine vom Prinzen konstruierte Brücke über der wildromantischen Schlucht, exotische Pflanzen, üppige Blumenbeete und -rabatten gestalteten einst ihr „königliches" Arkadien. Seit 2004 wird der Park wissenschaftlich erforscht und erhält nun Stück für Stück sein historisches Aussehen zurück. Das Herzstück des Arenenberger Landschaftsparks wurde im August 2008 der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

  Text: Napoleonmuseum Thurgau

 

Bild: Meersburg
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